Verbrauch oder Ablesewerte

Welche Daten müssen den Nutzern bereit­ge­stellt werden?

Chem­nitz, 17.12.2020

Das Wissen um den eige­nen Ener­gie­ver­brauch hilft Endver­brau­chern, also Wohnungs- und Gewer­be­raum­nut­zern dabei, bewusst mit Heiz­ener­gie umzu­ge­hen und im besten Fall Einspa­run­gen zu bewirken.

Es stellt sich hier die Frage, welche Infor­ma­tio­nen der Wohnungs­nut­zer benö­tigt, um daran sein Verbrauchs­ver­hal­ten auszu­rich­ten. Darüber hinaus ist zu klären, welche Vorga­ben für die bereit­zu­stel­len­den Infor­ma­tio­nen die EU-Ener­gie­ef­fi­zi­enz­richt­li­nie (EED) und eine zukünf­tige Heiz­kos­ten­ver­ord­nung machen.

Die EED schreibt die unter­jäh­rige Bereit­stel­lung von Abrech­nungs- und Verbrauchs­in­for­ma­tio­nen auf der Grund­lage des tatsäch­li­chen Verbrauchs oder der Able­se­werte von Heiz­kos­ten­ver­tei­lern vor.

Der Begriff Abrech­nungs­in­for­ma­tio­nen ist in der EED nicht genauer defi­niert. Es kann davon ausge­gan­gen werden, dass es die notwen­di­gen Infor­ma­tio­nen in einer Heiz­kos­ten­ab­rech­nung sind. Nach den miet­recht­li­chen Bestim­mun­gen zum Betriebs­kos­ten­recht, welches auch auf die Heiz­kos­ten Anwen­dung findet, müssen Abrech­nun­gen die Gesamt­kos­ten, den ange­wen­de­ten Umla­ge­maß­stab, den indi­vi­du­el­len Kosten­an­teil des Abrech­nungs­emp­fän­gers und den Abzug der Voraus­zah­lun­gen auswei­sen. Abrech­nun­gen sind nach dem Betriebs­kos­ten­recht im Bürger­li­chen Gesetz­buch (BGB) jähr­lich zu erstel­len. Längere und kürzere Abrech­nungs­zeit­räume können zwar indi­vi­du­ell verein­bart werden, stel­len jedoch nicht den Regel­fall dar. Demnach sind Heiz- und Betriebs­kos­ten­ab­rech­nun­gen jähr­lich zu erstel­len. Die Gesamt­kos­ten für einen Abrech­nungs­zeit­raum liegen in der Regel erst nach Abschluss des Abrech­nungs­jah­res vor. Unter­jäh­rige Abrech­nungs­in­for­ma­tio­nen sind nach dem aktu­el­len Betriebs­kos­ten­recht demnach kaum möglich. Es könn­ten inso­weit ledig­lich Progno­sen erstellt werden.

Verbrauchs­in­for­ma­tio­nen auf der Grund­lage des tatsäch­li­chen Verbrauchs oder der Able­se­werte von Heiz­kos­ten­ver­tei­lern sind hinge­gen auch unter­jäh­rig verfüg­bar. Der tatsäch­li­che Verbrauch wird mit geeich­ten Mess­ge­rä­ten ermit­telt. Bei Warm­was­ser­zäh­lern sind die verbrauch­ten Kubik­me­ter Warm­was­ser anzu­ge­ben. Bei Wärme­zäh­lern kann der Verbrauch in Kilo­watt­stun­den ange­ge­ben werden.

Proble­ma­tisch ist die bloße Anzeige von Able­se­wer­ten bei Heiz­kos­ten­ver­tei­lern. Die elek­tro­ni­schen Heiz­kos­ten­ver­tei­ler zeigen Werte nach einer Produkt­skala oder einer Einheits­skala an. Bei der Produkt­skala wird bereits berück­sich­tigt, welche Heiz­kör­per­leis­tung der erfasste Heiz­kör­per hat und wie die ther­mi­sche Ankopp­lung des verwen­de­ten Heiz­kos­ten­ver­tei­lers an den jewei­li­gen Heiz­kör­per­typ ist. Bei Heiz­kos­ten­ver­tei­lern mit der Einheits­skala werden diese Daten erst über eine Multi­pli­ka­tion mit dem soge­nann­ten Bewer­tungs­fak­tor berück­sich­tigt. Demzu­folge sind bei Heiz­kos­ten­ver­tei­lern mit einer Einheits­skala die Anzei­ge­werte nicht mitein­an­der vergleich­bar. Eine Vergleich­bar­keit wird erst nach der Multi­pli­ka­tion mit dem Bewer­tungs­fak­tor herbeigeführt.

Daraus folgt, dass zumin­dest bei Heiz­kos­ten­ver­tei­lern mit Einheits­skala der Able­se­wert keine verläss­li­che Aussage über das Verbrauch­ver­hal­ten enthält und Verglei­che nicht gezo­gen werden können. Für die bewusste Verbrauchs­steue­rung durch den Endver­brau­cher ist der Able­se­wert eines solchen Heiz­kos­ten­ver­tei­lers daher ungeeignet.

Mindes­tens soll­ten aber für die gewollte Steue­rungs­wir­kung Daten bereit­ge­stellt werden, die einen Vergleich auch mit Durch­schnitts­wer­ten der Liegen­schaft ermög­lich. Dies erhöht zwar die Komple­xi­tät der notwen­di­gen Berech­nungs­schritte und bedarf der Bereit­stel­lung der Bewer­tungs­fak­to­ren. Ohne die so erzeug­ten vergleich­ba­ren Daten wird die unter­jäh­rige Bereit­stel­lung der Daten jedoch ihr Ziel der Verbrauchs­re­duk­tion mit hoher Wahr­schein­lich­keit nicht errei­chen. Als Vergleichs­ba­sis könnte beispiels­weise ein Durch­schnitts­wert für Vertei­lerein­hei­ten pro Quadrat­me­ter Wohn­flä­che (VE/m²) dienen. Wich­tig für die Akzep­tanz des enor­men Aufwands für die unter­jäh­rige Erfas­sung und Mittei­lung von Verbrauchs­da­ten ist, dass nicht ledig­lich die Daten über­mit­telt werden, die bereits in der Wohnung an den Gerä­ten abge­le­sen werden können, sondern dass auch Vergleichs­werte und Tenden­zen darge­stellt werden. Nur so kann der Nutzer seinen aktu­el­len Verbrauch bewer­ten und sein Verbrauchs­ver­hal­ten bewusst steuern.

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