Funk ist nicht gleich Funk

Wann gelten Verbrauchs­er­fas­sungs­ge­räte als fernablesbar?

Nach Arti­kel 9c der EU-Ener­gie­ef­fi­zi­enz-Richt­li­nie (EED) dürfen ab dem 25. Okto­ber 2020 ausschließ­lich fern­ab­les­bare Heiz­kos­ten­ver­tei­ler und Zähler instal­liert werden. Zwar gilt diese Rege­lung wegen der fehlen­den Umset­zung in der Heiz­kos­ten­ver­ord­nung bislang noch nicht in Deutsch­land. Die Umset­zung steht aber in naher Zukunft bevor.

Zudem schreibt die EED vor, dass bei instal­lier­ten fern­ab­les­ba­ren Gerä­ten die Verbrauchs­da­ten zunächst mindes­tens halb­jähr­lich (bei elek­tro­ni­scher Bereit­stel­lung mindes­tens vier­tel­jähr­lich) und ab 1. Januar 2022 sogar monat­lich den Nutzern bereit­ge­stellt werden müssen.

Es stellt sich damit die Frage, welche Geräte als fern­ab­les­bar ange­se­hen werden.

Nach den Erwä­gun­gen der EED sollen die Mitglieds­staa­ten entschei­den, ob Walkby-Anla­gen als fern­ab­les­bar gelten. Das Bundes­wirt­schafts­mi­nis­te­rium wird nach ersten Äuße­run­gen eine tech­no­lo­gie­of­fene Vorgabe tref­fen. Fern­ab­les­bar sind danach wahr­schein­lich alle Geräte, die außer­halb der Wohnung abge­le­sen werden können. Damit wären sowohl Walkby-Anla­gen, als auch AMR-Anla­gen fernablesbar.

Die klare und einfa­che Defi­ni­tion führt aber auch dazu, dass Wärme­zäh­ler, die in einer Heiz­zen­trale außer­halb der Wohnung instal­liert sind, als fern­ab­les­bar gelten könn­ten, obwohl sie nicht über ein Funk- oder Kabel­netz ange­bun­den sind.

Weitere Probleme erge­ben sich daraus, dass derzeit instal­lierte fern­ab­les­bare Geräte nur in bestimm­ten Zeit­räu­men (z.B. nur in den ersten 6 Wochen nach dem Stich­tag) senden. Die Geräte sind zwar grund­sätz­lich fern­ab­les­bar, das aber eben nicht unter­jäh­rig. Auch wenn die Geräte in den meis­ten Fällen umpro­gram­miert werden können, stellt dies einen erheb­li­chen Aufwand dar. Hier könnte man sich damit behel­fen, dass die Geräte hinsicht­lich der Pflicht für eine unter­jäh­rige Bereit­stel­lung der Verbrauchs­da­ten nicht als fern­ab­les­bar gelten, da dazu eine Umpro­gram­mie­rung notwen­dig wäre. Unter Bezug­nahme auf die Nach­rüst­frist zum 01.01.2027 könnte argu­men­tiert werden, dass in diesen Fällen eine Umpro­gram­mie­rung derzeit nicht erfol­gen muss und erst zum Ablauf der Nach­rüst­frist die „voll­stän­dige“ Fern­ab­les­bar­keit herge­stellt werden muss.

Übri­gens dürfen defekte nicht fern­ab­les­bare Geräte noch bis zum Ablauf der Nach­rüst­frist durch nicht fern­ab­les­bare Austausch­ge­räte ersetzt werden.

Die Anre­gung, die Nach­rüst­frist even­tu­ell doch noch auf 10 Jahre nach dem Inkraf­tre­ten der geän­der­ten Heiz­kos­ten­ver­ord­nung zu verlän­gern, wird wohl nicht berück­sich­tigt werden. Hier soll­ten Mess­dienst­un­ter­neh­men und Wohnungs­wirt­schaft bei neuen Ausstat­tun­gen zum Jahres­wech­sel bereits die notwen­di­gen Konse­quen­zen ziehen.

so geht’s weiter:

17.12.2020:       Welche Daten müssen den Nutzern bereit­ge­stellt werden?

28.12.2020:       Sind die zusätz­li­chen Kosten als Betriebs­kos­ten umlegbar?

04.01.2021:       Welcher Mehr­wert entsteht für Messdienstunternehmen?

07.01.2021:       Daten­spei­che­rung und Datenschutz

14.01.2021:       Welche Sank­tio­nen drohen bei einem Verstoß gegen die Vorga­ben zur    Verbrauchsdatenbereitstellung?

21.01.2021:       henco-part­ner und henco-consu­mer die platt­form- und herstel­ler­un­ab­hän­gi­gen Lösun­gen für das mittel­stän­di­sche Messdienstunternehmen

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