Die unter­jäh­ri­gen Verbrauchs­in­for­ma­tio­nen (uVI)

Was soll dem Nutzer mitge­teilt werden?

Nicht nur in der Mess­dienst­bran­che, sondern auch unter Vermie­tern und Verwal­tern wird derzeit über Sinn, Zweck und Wirk­sam­keit der Pflicht zur unter­jäh­ri­gen Verbrauchs­in­for­ma­tion gegen­über den Wohnungs­nut­zern disku­tiert. Ganz entschei­dend wird für die Akzep­tanz und auch den Erfolg der Einfüh­rung von unter­jäh­ri­gen Verbrauchs­in­for­ma­tio­nen die Frage sein, welche konkre­ten Infor­ma­tio­nen der Nutzer erhält.

Im derzeit aktu­el­len Entwurf zur Ände­rung der Heiz­kos­ten­ver­ord­nung vom 26.04.2021 ist vorge­se­hen, dass die unter­jäh­ri­gen Verbrauchs­in­for­ma­tio­nen mindes­tens die nach­fol­gen­den Infor­ma­tio­nen enthal­ten müssen:

1. Verbrauch des Nutzers im letz­ten Monat in Kilowattstunden

2. Vergleich des Verbrauchs mit dem Verbrauch des Vormo­nats des Nutzers sowie dem entspre­chen­den Monat des Vorjahres

3. Vergleich mit dem Verbrauch eines normier­ten oder durch Vergleichs­tests ermit­tel­ten Durch­schnitts­nut­zers dersel­ben Nutzerkategorie

Bei allen drei Anga­ben stellt sich die Frage, welche Schlüsse der Nutzer daraus ziehen kann und inwie­weit er durch diese Infor­ma­tio­nen moti­viert wird, sein Nutzungs­ver­hal­ten entspre­chend den Ziel­stel­lun­gen des Gebäu­de­en­er­gie­ge­set­zes, mithin der Einspa­rung von Endener­gie, anzupassen.

Soweit der Heiz­ener­gie­ver­brauch in Kilo­watt­stun­den ange­ge­ben werden soll, ist dies für den Wohnungs­nut­zer sicher­lich eine nach­voll­zieh­bare Größe. In diesem Zusam­men­hang stellt sich aber die Frage, wie die mit Heiz­kos­ten­ver­tei­lern gemes­se­nen Einhei­ten in Kilo­watt­stun­den umge­rech­net werden können und inwie­weit dabei auch Probleme wie die Rohr­wär­me­ab­gabe berück­sich­tigt werden müssten.

Beson­ders proble­ma­tisch erscheint jedoch die Angabe des Verbrauchs für Warm­was­ser in Kilo­watt­stun­den. Sicher­lich kann auch hier ein Wert rech­ne­risch aus dem Warm­was­ser­vo­lu­men errech­net werden. Jedoch stellt sich die Frage, ob hier nicht die Vorstel­lungs­kraft des durch­schnitt­li­chen Wohnungs­nut­zer zu sehr bean­sprucht wird. In der Regel hat der Wohnungs­nut­zer ein gutes Verständ­nis dafür, wie viel Liter bzw. Kubik­me­ter Warm­was­ser er verbraucht hat. Wieviel Ener­gie jedoch aufge­wandt wird um das verbrauchte Warm­was­ser zu erwär­men und Warm­was­ser jeder­zeit verfüg­bar vorzu­hal­ten, ist für den durch­schnitt­li­chen Wohnungs­nut­zer nur schwer nach­zu­voll­zie­hen. Davon abge­se­hen kann der Wohnungs­nut­zer zwar den Warm­was­ser­ver­brauch steu­ern, nicht jedoch die Bereit­stel­lungs­tem­pe­ra­tur des Warm­was­sers am Ausgang des Warm­was­ser­be­rei­ters oder die Wärme­ver­luste im Warmwasserkreislauf.

Sinn­vol­ler erscheint daher beim Warm­was­ser tatsäch­lich die Angabe des monat­lich verbrauch­ten Volu­mens und bei Heizungs­an­la­gen mit Heiz­kos­ten­ver­tei­lern die Angabe von bewer­te­ten Verteilereinheiten.

Der Vergleich mit den eige­nen Verbräu­chen im Vormo­nat bzw. im Vorjahr (soweit die Daten bereits erho­ben wurden) ist für die Einord­nung des eige­nen Verbrauchs­ver­hal­tens durch den jewei­li­gen Nutzer sinn­voll. Hier wäre ledig­lich die Über­le­gung anzu­stel­len, ob jeweils die Gesamt­werte für die Wohnung ausrei­chend sein sollen oder ob auch hinsicht­lich der einzel­nen Verbrauchs­stel­len Verbrauchs­in­for­ma­tio­nen über­mit­telt werden könn­ten. Sowohl tech­ni­sche Probleme (z.B. der trop­fende Wasser­hahn) als auch das geän­derte Nutzungs­ver­hal­ten in einzel­nen Räumen einer Miet­woh­nung lassen sich besser nach­voll­zie­hen und erken­nen, wenn die Anga­ben je Verbrauchs­stelle gemacht werden.

Beson­ders proble­ma­tisch erscheint der Vergleich mit dem Verbrauch eines normier­ten oder durch Vergleichs­tests ermit­tel­ten Durch­schnitts­nut­zers dersel­ben Nutzer­ka­te­go­rie. Insbe­son­dere die Einord­nung in eine Nutzer­ka­te­go­rie, die tatsäch­lich Aussa­ge­kraft für die jewei­lige Wohnung haben kann, stellt einen erheb­li­chen Aufwand dar. Aber auch unab­hän­gig von dem damit verbun­de­nen Aufwand stellt sich die Frage, welche Infor­ma­tio­nen aus einem solchen Vergleich gezo­gen werden können. In den Vergleichs­wert der passen­den Nutzer­gruppe flie­ßen nach den Vorstel­lun­gen des Refe­ren­ten­ent­wurfs folgende Para­me­ter ein: Zeit­raum, Klima­zone, Nutzungs­art, ener­ge­ti­scher Zustand oder Baual­ter des Gebäu­des, verwen­de­ter Ener­gie­trä­ger oder die einge­setzte Anla­gen­tech­nik sowie die Gebäudegröße.

Sicher­lich ist ein derart ermit­tel­ter Vergleichs­wert grund­sätz­lich zu begrü­ßen, jedoch für den Wohnungs­nut­zer nur von gerin­gem Wert. Der Wohnungs­nut­zer wird eher einen auf seine konkrete Liegen­schaft bezo­ge­nen Vergleichs­wert als Maßstab akzep­tie­ren. Durch­schnitts­werte für die Liegen­schaft sind für den Wohnungs­nut­zer eher ein taug­li­cher Maßstab für sein eige­nes Nutzungs­ver­hal­ten. Zudem sagt das Verhält­nis zum Liegen­schafts­durch­schnitt auch etwas über die spätere antei­lige Kosten­be­las­tung aus. An dieser Stelle laufen dann die beiden Anreiz­me­cha­nis­men aus der Heiz­kos­ten­ver­ord­nung, verbrauchs­ab­hän­gige Kosten­ver­tei­lung und regel­mä­ßige Infor­ma­tio­nen, zusammen.

Die Vorga­ben für den Mindest­in­halt der unter­jäh­ri­gen Verbrauchs­in­for­ma­tio­nen soll­ten daher in jedem Fall noch im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren abge­än­dert werden. Even­tu­ell wird es hierzu bereits im Verord­nungs­ent­wurf, der dem Bundes­ka­bi­nett zum Beschluss vorge­legt wird, eine Anpas­sung geben.

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